Wenn Angreifer schneller werden: Warum ein einfacher Notfallplan mehr bringt als das nächste Tool
Viele unserer Kunden sagen sinngemäß: „Wir sind doch zu klein, uns greift keiner an." Die Zahlen aus den aktuellen Lageberichten sprechen eine andere Sprache. Es geht nicht darum, Angst zu machen. Es geht darum, ein paar Dinge zu klären, bevor etwas passiert.
Was aktuell berichtet wird
Das BSI beschreibt laut Börse Express eine „neue Zeitrechnung": KI-Methoden helfen Angreifern, Schwachstellen schneller zu finden und auszunutzen. Zu Ransomware nennt der Artikel für Deutschland 1.041 Fälle im Jahr 2025 (Vorjahr: 950) laut BKA und BSI. Der Anbieter Black Kite meldet für Europa von Januar bis April 2026 einen Anstieg um 55,1 %, Deutschland liege mit 18 % aller Angriffe vorn. Außerdem nennt der Artikel für Sicherheits-Patches eine durchschnittliche Verzögerung von 127 Tagen.
Diese Angaben stammen aus Sekundärquellen und Herstellerstatistiken. Sie sind Hinweise auf eine Tendenz, keine exakte Messung.
Was daraus für kleine Büros folgt
Wenn Angriffe schneller und automatisierter ablaufen, zählt vor allem, wie schnell Sie reagieren und wie gut Sie sich erholen können. Das lässt sich mit überschaubarem Aufwand verbessern.
1. Updates zeitnah einspielen. Die letzten Monate zeigen, wie dicht die Update-Taktung ist. Apple hat im August 2026 mit iOS 26.6.1 und macOS 26.6.2 jeweils knapp 30 Schwachstellen geschlossen, nach Angaben von Borncity ohne bekannte aktive Ausnutzung. Synology hat am 18.09.2026 die Sicherheitsmitteilung SA-26:13 für DSM veröffentlicht, Gesamtschweregrad „kritisch", mit CVEs bis CVSS 9.8. Betroffen sind DSM 7.4, 7.3, 7.2.2 und 7.2.1 vor den jeweils genannten Fixversionen. Wer eine DiskStation betreibt, sollte prüfen, ob sie auf dem Stand der Herstellerangaben ist.
2. Backups, die einen Angriff überstehen. Ein Backup, das im selben Netz hängt und beschreibbar ist, kann mit verschlüsselt werden. Sinnvoll sind eine getrennte Kopie (offline oder mit unveränderlichen Snapshots) und ein Wiederherstellungstest. Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist eine Annahme, keine Absicherung.
3. Zugänge absichern. Zwei-Faktor-Anmeldung für E-Mail, Cloud-Dienste und Fernzugriff. Admin-Konten nicht für die tägliche Arbeit nutzen.
4. Einen Notfallplan auf einer Seite. Wer ruft wen an? Wo liegen die Zugangsdaten für den Notfall (ausgedruckt, nicht nur auf dem betroffenen Rechner)? Welche Systeme werden zuerst wiederhergestellt? Wer informiert Mandanten, Kunden oder Auftraggeber, falls personenbezogene Daten betroffen sind? Eine DSGVO-Meldung an die Aufsichtsbehörde hat grundsätzlich eine Frist von 72 Stunden. Das ist ein guter Grund, die Zuständigkeiten vorher festzulegen.
Ein Wort zu KI-Werkzeugen im Büro
Der genannte Artikel zitiert Zahlen, wonach rund 48 % der deutschen Unternehmen unkontrollierte KI-Agenten nutzen (KnowBe4) und Kaspersky über 33.000 Angriffe gezählt hat, die sich als KI-Anwendungen tarnten. Beides sind Herstellerangaben. Praktisch heißt das: Legen Sie fest, welche KI-Dienste im Büro genutzt werden dürfen und welche Daten dort nicht hineingehören, etwa vertrauliche Mandantendaten, Baupläne oder Kundenentwürfe. Laden Sie Programme nur aus den offiziellen Quellen.
Was Sie diese Woche tun können
- Prüfen, ob NAS, Router, Macs und iPhones auf dem aktuellen Update-Stand sind.
- Eine Wiederherstellung aus dem Backup stichprobenartig testen.
- 2FA für die wichtigsten Konten aktivieren.
- Den Notfallplan auf einer Seite aufschreiben und ausdrucken.
Wenn Sie dabei Unterstützung wünschen, melden Sie sich gern. Wir schauen uns Ihre Umgebung an und sagen Ihnen, wo Handlungsbedarf besteht.
Quellen
- Börse Express: Cyber-Risiken: BSI warnt vor KI-gestützten Angriffen und Ransomware (27.06.2026; teilweise KI-generiert, nicht gegen BSI-Original geprüft)
- Borncity: Apple iOS 26.6.1: Dringende Updates gegen 30 Sicherheitslücken (19.08.2026)
- Synology: Synology-SA-26:13 (18.09.2026)
- Die 72-Stunden-Frist ergibt sich aus Art. 33 DSGVO (Hinweis: nicht über eine Recherchequelle dieses Laufs belegt, bitte vor Veröffentlichung gegenlesen).